Wann kann eine Freundschaft oder eine enge Beziehung zu einer dritten Person bei einer Scheidung als Eheverfehlung gelten? Nicht nur ein nachgewiesener Ehebruch kann im österreichischen Scheidungsrecht relevant sein. Auch heimliche Treffen, intensive persönliche Kontakte oder romantische Annäherungen können unter bestimmten Umständen für die Verschuldensfrage von Bedeutung sein.
„Das war doch nur eine gute Freundin.“ – „Wir hatten überhaupt keinen Sex.“ – „Das überwiesene Geld hatte einen ganz anderen Grund.“
Solche Erklärungen spielen in strittigen Scheidungsverfahren immer wieder eine Rolle. Häufig besteht dabei die Vorstellung, dass nur ein tatsächlich nachgewiesener sexueller Kontakt rechtlich problematisch sein könne. Das ist jedoch zu kurz gegriffen.
Kann auch eine Freundschaft eine Eheverfehlung sein?
Nach österreichischem Eherecht sind Ehegatten unter anderem zur umfassenden ehelichen Lebensgemeinschaft und zur Treue verpflichtet. Ein außerehelicher sexueller Kontakt kann daher eine erhebliche Eheverfehlung darstellen. Für ein Verschulden an der Zerrüttung der Ehe muss allerdings nicht zwingend klassischer „Ehebruch“ vorliegen. Auch ein Verhalten gegenüber einer dritten Person, das zwar nicht sexuell ist, aber die eheliche Vertrauensbasis erheblich verletzt, kann im Einzelfall als Eheverfehlung beurteilt werden. Gerade heimliche Treffen, intensive persönliche Kontakte, romantische Annäherungen oder das bewusste Verheimlichen einer engen Beziehung können daher im Scheidungsverfahren relevant werden.
Ist jedes heimliche Treffen bereits eine Eheverfehlung?
Nein. Hier ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Nicht jede Freundschaft mit einer anderen Person und auch nicht jedes Treffen, von dem der Ehepartner nichts weiß, begründet automatisch ein Verschulden an der Scheidung. Entscheidend ist vielmehr das Gesamtbild. Von Bedeutung können etwa die Häufigkeit und Intensität der Kontakte, deren emotionaler Charakter, bewusstes Verheimlichen, wahrheitswidrige Erklärungen gegenüber dem Ehepartner, Nachrichten oder sonstige Kommunikation sowie finanzielle Zuwendungen sein.
Auch die Frage, in welchem Zustand sich die Ehe zu diesem Zeitpunkt bereits befunden hat, kann entscheidend sein. Ein Verhalten kann zwar objektiv ehelich problematisch sein, für die Verschuldensentscheidung aber anders zu beurteilen sein, wenn die Ehe zu diesem Zeitpunkt bereits endgültig und unabhängig davon zerrüttet war.
„Wir hatten keinen Sex“: Liegt trotzdem eine Eheverfehlung vor?
In einem Scheidungsverfahren kann es deshalb zu wenig sein, lediglich zu bestreiten, dass es zu sexuellen Kontakten gekommen sei. Auch eine besonders enge emotionale Beziehung zu einer dritten Person kann die eheliche Treuepflicht berühren. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Beziehung bewusst vor dem Ehepartner verborgen wird und eine Intensität erreicht, die über eine gewöhnliche Freundschaft hinausgeht. Das Gericht beurteilt dabei nicht einzelne Nachrichten oder Treffen isoliert, sondern regelmäßig die gesamten Umstände des Falles.
Welche finanziellen Folgen kann das Verschulden bei einer Scheidung haben?
Die Verschuldensfrage ist keineswegs nur von moralischer oder persönlicher Bedeutung. Sie kann insbesondere für Unterhaltsansprüche nach der Scheidung erhebliche Auswirkungen haben. Wird ausgesprochen, dass ein Ehegatte die Ehe allein oder überwiegend verschuldet hat, kann daraus – abhängig von den jeweiligen Einkommens- und Lebensverhältnissen sowie den sonstigen gesetzlichen Voraussetzungen – ein nachehelicher Unterhaltsanspruch des anderen Ehegatten entstehen. Die Folgen einer außerehelichen Beziehung können daher weit über das eigentliche Scheidungsverfahren hinausreichen.
Welche Rolle spielen Beweise im Scheidungsverfahren?
In der anwaltlichen Praxis stellt sich häufig weniger die Frage, was tatsächlich geschehen ist, sondern vielmehr, was vor Gericht bewiesen werden kann. Nachrichten, E-Mails, Zeugenaussagen, Überweisungen oder andere nachvollziehbare Umstände können dabei eine Rolle spielen. Gleichzeitig sind bei der Beschaffung und Verwendung von Beweismitteln rechtliche Grenzen zu beachten. Nicht jede Form der Überwachung oder heimlichen Informationsbeschaffung ist zulässig. Wer den Verdacht hat, dass der Ehepartner eine außereheliche Beziehung führt, sollte daher nicht vorschnell handeln, sondern sich beraten lassen, bevor möglicherweise rechtlich problematische Maßnahmen gesetzt werden.
Fazit: Wann wird eine Freundschaft zur Eheverfehlung?
Für eine relevante Eheverfehlung muss nicht zwingend ein sexueller Kontakt nachgewiesen werden. Auch eine intensive oder romantisch geprägte Beziehung zu einer dritten Person kann – insbesondere bei bewusster Heimlichkeit und Täuschung – für die Verschuldensfrage Bedeutung erlangen.
Umgekehrt gilt aber ebenso: Nicht jede Freundschaft und nicht jedes verheimlichte Treffen macht einen Ehegatten automatisch zum schuldigen Teil. Im österreichischen Scheidungsrecht kommt es stets auf die konkreten Umstände, die Schwere des Verhaltens und dessen Zusammenhang mit der Zerrüttung der Ehe an.
Gerade weil ein Verschuldensausspruch langfristige finanzielle Konsequenzen haben kann, empfiehlt sich bei einem bevorstehenden strittigen Scheidungsverfahren eine frühzeitige rechtliche Beratung.
Häufige Fragen zu Ehebruch und Eheverfehlungen
Ist nur Ehebruch eine schwere Eheverfehlung?
Nein. Auch ein Verhalten gegenüber einer dritten Person, das nicht sexuell ist, aber die eheliche Vertrauensbasis erheblich verletzt, kann im Einzelfall als Eheverfehlung beurteilt werden.
Kann eine emotionale Beziehung zu einer anderen Person eine Eheverfehlung sein?
Ja. Eine besonders enge emotionale Beziehung kann die eheliche Treuepflicht berühren, insbesondere wenn sie bewusst vor dem Ehepartner verborgen wird und eine Intensität erreicht, die über eine gewöhnliche Freundschaft hinausgeht.
Ist ein heimliches Treffen mit einer anderen Person bereits eine Eheverfehlung?
Nicht automatisch. Entscheidend ist das Gesamtbild. Relevant können unter anderem Häufigkeit und Intensität der Kontakte, deren emotionaler Charakter, bewusstes Verheimlichen, wahrheitswidrige Erklärungen, Kommunikation und finanzielle Zuwendungen sein.
Muss Ehebruch vor Gericht bewiesen werden?
Für eine relevante Eheverfehlung muss nicht zwingend ein sexueller Kontakt nachgewiesen werden. Im Scheidungsverfahren ist vielmehr entscheidend, welche für die Verschuldensfrage relevanten Umstände vor Gericht bewiesen werden können.
Welche Beweise können bei einer außerehelichen Beziehung eine Rolle spielen?
Nachrichten, E-Mails, Zeugenaussagen, Überweisungen oder andere nachvollziehbare Umstände können eine Rolle spielen. Bei der Beschaffung und Verwendung von Beweismitteln sind jedoch rechtliche Grenzen zu beachten.
Hat eine Eheverfehlung Auswirkungen auf den Unterhalt?
Das kann der Fall sein. Wird ausgesprochen, dass ein Ehegatte die Ehe allein oder überwiegend verschuldet hat, kann daraus abhängig von den Einkommens- und Lebensverhältnissen sowie den weiteren gesetzlichen Voraussetzungen ein nachehelicher Unterhaltsanspruch des anderen Ehegatten entstehen.
Sie haben Fragen zu Ehebruch, Eheverfehlungen oder zur Verschuldensfrage bei einer Scheidung
Gerne beraten wir Sie frühzeitig über Ihre rechtlichen Möglichkeiten und unterstützen Sie bei einem bevorstehenden strittigen Scheidungsverfahren.
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