Ein Leben ohne Banken – Bankless life!

Als Auswir­kung der Wirt­schafts­krise musste die Repu­blik Öster­reich Banken­hilfs­pa­kete schnüren. Milli­arden an Steu­er­geld stellten die Garan­tien für Banken dar, die im Ernst­fall zu erfüllen waren. Hilfs­pa­kete für Banken zu einer Zeit, als fast jeder private Anleger Unsummen verlor, als Banken begannen Fremd­wäh­rungs­kre­dite fällig zu stellen und Sicher­heiten einzu­for­dern verär­gerte viele.

Banken gehören, nach Einschät­zung der Meisten, zu den wohl reichsten Unter­nehmen. Bank­mit­ar­beiter verdienen unver­hält­nis­mäßig viel Geld und haben oftmals 15 und 16 Jahres­ge­hälter bezogen. Von den Millionen-Boni­fi­ka­tionen der Bank­ma­nager ganz zu schweigen. All das muss jeder Bank­kunde mit zahlen. Dazu kam, dass alle Banken die Kredit­ver­gabe zurück­fuhren und wenn Kredite doch vergeben wurden, wurden Sicher­heiten und Bürg­schaften, die teil­weise schon unmo­ra­lisch waren verlangt.

Was lag dann näher, als der Idee zu medialer Aufmerk­sam­keit zu verhelfen, die uns ein Leben ohne Banken ermög­li­chen sollte. Keine über­zo­genen Zinsen für Kredite, keine mageren Zinsen für Guthaben. Die Idee des Lebens ohne Banken, der direkten Kredit­ver­gabe über das Internet, war geboren. Ein Verein namens Nick2Nick bot seine Dienste an, wonach Vereins­mit­glieder anderen Vereins­mit­glie­dern „helfen“ konnten in dem sie Kredite direkt vergaben. Mitglieder konnten auf der Platt­form www.bankless-life.com ihren „Alias“ anlegen und mit diesem nick­name anderen nick­names finan­ziell helfen – gegen Zinsen versteht sich.

Die Finanz­markt­auf­sicht (FMA) reagierte schnell und beschied dem Verein, die Ausübung seiner Tätig­keit zu unter­lassen. Ein Verstoß gegen § 1 des Bank­we­sen­ge­setzes wurde erblickt, der das gewerb­liche Vergeben eines Kredites konzes­si­ons­pflichtig macht. Um eine Konzes­sion hatte der Verein nicht ange­sucht und dementspre­chend auch keine Konzes­sion erhalten.

Was die Mitglieder des Vereins, die Geld vergeben hatten, nicht wussten, waren die rich­tigen Namen und Daten „Ihrer“ Kredit­nehmer. Was sie noch nicht wussten, war, dass sich manche Mitglieder der Platt­form bank­less life mehrere nick­names zulegten und unter Verwen­dung trau­riger Geschichten („behin­der­ten­ge­rechter Umbau“, „Unsere Chance 2009“ etc.) Geld aufnahmen, das sie nicht abzahlen konnten (und können). Die Kripo ermit­telt nun im Auftrag der Staats­an­walt­schaft wegen Betruges. Es gilt die Unschulds­ver­mu­tung.

Doch damit nicht genug, flat­tern nun den Mitglie­dern, die schon genug Geld verloren haben, auch noch Bescheide der Finanz­markt­auf­sicht (FMA) ins Haus, wonach ihnen wegen gewerb­li­cher Vergabe von Krediten ein Verfahren gemacht wird, bei dem eine Verwal­tungs­strafe mit einem Straf­rahmen bis Euro 50.000,– droht. Die Opfer werden nun zu Tätern gemacht – eine typisch öster­rei­chi­sche Heran­ge­hens­weise.